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Béla Faragó in der Kritik: Kunst oder Pornografie?

Umstrittener Künstler einst in Pegnitzer Bartholomäuskirche am Werk
 Béla Faragó in der Kritik: Kunst oder Pornografie?
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PEGNITZ/ERLANGEN - Kunst oder Pornografie? Ein großformatiges Bild der »Wollust» in der katholischen Herz-Jesu-Kirche in Erlangen entzweit die Gläubigen. Es zeigt eine üppige nackte Frau mit gespreizten Schenkeln, neben der zwei kleine Männer mit erigierten Penissen stehen. »Ein Monsterbild», empören sich Kirchgänger und verlangen, das Bild sofort abzunehmen. Bei dem Künstler handelt es sich um Béla Faragó, in Pegnitz seit der Renovierung der St. Bartholomäuskirche bestens bekannt.

Die Kirche in Erlangen hat inzwischen auf die Proteste reagiert: Während der Sonntagsgottesdienste soll das Kunstwerk verhüllt werden. »Wir wollen denen unseren Respekt bekunden, die sich in ihren Gefühlen verletzt fühlen», sagt der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Klaus Koschinsky.

Das Werk ist Teil einer Serie von sieben drastischen Bildern des Nürnberger Künstler Béla Faragó, in denen er die sieben Todsünden darstellt: Hochmut, Geiz, Zorn, Völlerei, Neid, Faulheit und Wollust. Pfarrer Wolfgang Döll hat die Ausstellung für vier Wochen in seine Kirche geholt, um die Gläubigen während der Fastenzeit zum Nachdenken über sich selbst anzuregen.

Zuspruch und Anfeindungen

»Wenn man in der Kirche die Sünden nicht mehr zeigen kann, wo denn dann?», fragt der Geistliche. Er steht zu der Ausstellung, muss sich aber neben viel Zuspruch auch heftige Anfeindungen gefallen lassen. »Pornografie», »einfach scheußlich», »hässlich und ordinär» – so lauten Kommentare im Gästebuch der Kirche.

Besonders regen sich die Gegner darüber auf, dass die Ministranten im Gottesdienst von ihrem Platz aus genau auf das Bild schauen. »Das kann 16-Jährigen nicht zugemutet werden», empört sich die Wortführerin des Protestes, die 62-jährige Marianne Schröppel. Sie hat kürzlich sogar zur Selbsthilfe gegriffen und das Bild in einer eigenmächtigen Aktion vorübergehend abgehängt.

Gefahr für junge Menschen?

Nun wird heftig gestritten, ob die Nackte tatsächlich eine Gefahr für junge Menschen ist. Die Skandale um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen machen die Diskussion nicht leichter. Der Organisator der Ausstellung, Pastoralreferent Martin Förster, hat deshalb sogar Rat bei Jugendpsychiatern gesucht. »Das Bild hat keine schädliche Wirkung auf die psychosexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen», versichert Förster.

Auch der Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Koschinsky weist den Vorwurf Kinder gefährdender Pornografie entschieden zurück. »Kinder sehen in den Bildern nicht das, was die Fantasie von Erwachsenen entdeckt», meint er. Dennoch bleibt die Kirchengemeinde gespalten.

Beleg für Frauenfeindlichkeit?

Auch bei einer Diskussion gingen kürzlich die Meinungen weit auseinander: »Pornografisch und obszön», schimpft eine Frau, und eine andere wertet das Bild als Beleg für die Frauenfeindlichkeit der Kirche. Andere Teilnehmer machen sich für die Ausstellung stark und verweisen darauf, dass es viele Darstellungen von Nackten in den Kirchen gibt - bis hin zu Michelangelos Fresko »Das Jüngste Gericht» in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. »Da müsste man viele Bilder und Skulpturen verhüllen oder entfernen», meint ein Mann.

Der Künstler Béla Faragó hat sich zu der Diskussion bisher nicht geäußert. »Er ist erschüttert», sagt sein Galerist Jan Thorleiv Bunsen, dem das Bild gehört. Bunsen denkt nun darüber nach, mit den »Todsünden» eine Wanderausstellung für interessierte Kirchengemeinden zu konzipieren. »Man sieht ja – Kunst wirkt», sagt der Galerist.


dpa
13.3.2010 18:34 MEZ
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